Unser Besuch des SOS-Kinderdorfes San Ignacio in Paraguay

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Einzigartig in Paraguay, inklusives betreutes Wohnen für Menschen mit und ohne Behinderung in San Ignacio. Copyright SOS-Kinderdörfer ParaguayEinzigartig in Paraguay, inklusives betreutes Wohnen für Menschen mit und ohne Behinderung in San Ignacio. Copyright SOS-Kinderdörfer Paraguay

Paraguay. Meine Familie und ich sind begeistert von Paraguay – von der Lebensfreude und Herzlichkeit der Menschen, der immergrünen, subtropischen Landschaft und dem warmen Licht, das alles durchdringt. Doch wo viel Sonne ist, fällt auch Schatten.

Die andere Seite von Paraguay

Wirtschaftlich zeigt sich Paraguay im Aufschwung – Infrastrukturprojekte und neue Sozialprogramme lassen Fortschritte erkennen. Dennoch bleibt die Armut, vor allem auf dem Land, erschütternd hoch.

Knapp jeder Dritte im ländlichen Raum lebt unter der Armutsgrenze, jeder Fünfte sogar in extremer Armut. Besonders Kinder leiden unter mangelnder Grundversorgung: sauberes Trinkwasser, Bildung und medizinische Betreuung sind vielerorts Mangelware.

Für Menschen mit Behinderung ist die Situation noch schwieriger. Es fehlt an barrierefreier Infrastruktur, Therapieangeboten und spezialisierten Einrichtungen. Selbst Schwerstpflegefälle finden oft kaum mehr als ein Bett. Angehörige müssen in Krankenhäusern wie auch in Pflegeeinrichtungen meist selbst für Pflege, Medikamente und Verpflegung sorgen.

Auf dem Land bleibt häufig nur die häusliche Pflege – ein kaum zu bewältigendes Unterfangen für Familien, deren Zuhause aus einer einfachen Holzhütte ohne Fenster besteht. Besonders im Winter, wenn kalte Winde aus der Antarktis durchs Land ziehen, wird dies zur Belastungsprobe. Elektrizität, Sanitäranlagen oder fließendes Wasser bleiben für viele Menschen ein ferner Traum.

Zu Gast in San Ignacio

Alle Angebote des SOS-Kinderdorfes stehen jeder Familie gemäß dem Motto „Ojoykére“ offen. Das indigene Wort auf Guarani bedeutet so viel wie „Gemeinsam Seite an Seite“.

Alle Angebote des SOS-Kinderdorfes stehen jeder Familie gemäß dem Motto „Ojoykére“ offen. Das indigene Wort auf Guarani bedeutet so viel wie „Gemeinsam Seite an Seite“.

Unsere Rundreise durch Paraguay verbinden wir mit einem Besuch des SOS-Kinderdorfes San Ignacio – einer Einrichtung, die im ganzen Land einzigartig ist. Nur hier gibt es inklusive Wohngruppen für Menschen mit und ohne Behinderung – ein Konzept, das selbst für unseren Partner SOS-Kinderdörfer weltweit mit Sitz in München besonders ist.

Der Direktor des Kinderdorfes, Alfredo Torales, führt uns durch die Anlage mit ihren zwölf Wohnhäusern, Wandelgängen, einem Therapiezentrum, einem großen Saal und weitläufigen Außenflächen. Unterwegs stellt er uns seine Kolleginnen und Kollegen vor, die mit Herz und Engagement für die Kinder und Familien da sind.

Im Austausch mit SOS-Kinderdörfer in San Ignacio, Paraguay (v. l. n. r.): Viktor Ferreira, N. N., Cornelia Melder, Alfredo Torales. Copyright SOS-Kinderdörfer Paraguay

Im Austausch mit SOS-Kinderdörfer in San Ignacio, Paraguay (v. l. n. r.): Viktor Ferreira, N. N., Cornelia Melder, Alfredo Torales. Copyright SOS-Kinderdörfer Paraguay

Auch Victor Ferreira, Programmdirektor für alle SOS-Kinderdörfer Paraguays, und Werner Mitler, verantwortlich für Patenschaften, sind eigens aus Asunción angereist. Werner, gebürtig aus dem Rheinland, arbeitet seit über 20 Jahren in Paraguay und hilft uns mit seiner Zweisprachigkeit bei der Verständigung.

Bei unserem Besuch des SOS-Kinderdorfes in San Ignacio lernen wir einige der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter persönlich kennen, die uns sehr herzlich begegnen.

Bei unserem Besuch des SOS-Kinderdorfes in San Ignacio lernen wir einige der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter persönlich kennen, die uns sehr herzlich begegnen.

Während unseres Besuchs erläutern uns die Direktoren die verschiedenen Programme des Kinderdorfes:

»Aus dem ganzen Land kommen Familien auf uns zu und suchen Rat und Unterstützung. Deshalb stehen all unsere Angebote jedem gemäß unserem Motto „Ojoykére“ offen. Das indigene Wort bedeutet in Guarani so viel wie „Seite an Seite“. 

Manche kommen anfangs nur, um an den niederschwelligen Kursen wie Nähen, Töpfern, Malen, Tanzen, Kochen oder an unseren Weiterbildungsangeboten wie „Krankenpflege“ oder auch „Finanzieller Bildung“ teilzunehmen. Hierdurch ist ein „Ojoykére“ im Laufe der Jahre entstanden, an dem Menschen ohne, wie auch mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen inklusiv teilhaben und einen verständigen Umgang verinnerlichen konnten. 

Gleichzeitig ist es für uns eine gute Möglichkeit, das Vertrauen der Familien zu uns zu stärken, damit diese sich bei Problemen uns anvertrauen. Denn hier kommt das Grundprinzip von SOS-Kinderdörfer der präventiven Familienarbeit zum Tragen.

Familien sollen in Erziehungsfragen, insbesondere in der gewaltfreien Erziehung, und auch in wirtschaftlichen Schwierigkeiten präventive Unterstützung erhalten. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass möglichst jedes Kind und Jugendlicher bei seinen leiblichen Familien glücklich und wohl behütet aufwachsen kann.

Das SOS-Kinderdorf in San Ignacio öffnete vor mehr als 50 Jahren seine Pforten und hat sich zu einem Familienstärkungszentrum entwickelt.

Das SOS-Kinderdorf in San Ignacio öffnete vor mehr als 50 Jahren seine Pforten und hat sich zu einem Familienstärkungszentrum entwickelt.

Alle SOS-Kinderdörfer im Land bieten Familienstärkungsprogramme an. Da der Beratungsbedarf sehr hoch ist, und wir sehen, dass wir mit mehr Sozialarbeitern in den Familien mehr erreichen können, wird dieses Programm weiter ausgebaut. Wir bilden dafür mehr Sozialberater aus, die den Familien an ihren Wohnorten dann zur Seite stehen können. 

In manchen Fällen nehmen wir für eine Zeit lang Kinder oder auch Jugendliche auf, wenn die Probleme in den Ursprungsfamilien zu drastisch sind. Doch das Ziel ist immer, dass diese wieder zu Ihren Familien zurückkehren und sich ein Leben mit Zukunftschancen aufbauen können.

Wichtig dafür ist auch die Finanzkompetenz der Familien und der von uns betreuten Jugendlichen zu fördern. Wir bieten Gruppen-Workshops, individuelle Mentorings, sowie Praktika, beispielsweise bei lokalen Unternehmen an.«

Was uns am meisten beeindruckt hat

Ein Höhepunkt unseres Besuchs ist eine eigens für uns vorbereitete Tanzaufführung: Kinder und junge Erwachsene, mit und ohne Behinderung, zeigen einen fröhlichen Folkloretanz. Die Begeisterung, die Freude – sie berühren uns tief.

Im Anschluss bewundern wir Kunstwerke aus den Kreativkursen. Besonders stolz erzählt man uns von einem ehemaligen Teilnehmer, der inzwischen ein Kunststipendium in Argentinien erhalten hat.

Was uns am meisten beeindruckt, sind die Menschen vor Ort – ihre Warmherzigkeit, ihr Stolz auf ihre Arbeit und ihr unermüdlicher Einsatz. Wir sind überzeugt, dass die Spende des OVB Hilfswerks in Höhe von 35.000 Euro hier einen wichtigen Beitrag leistet, um neue Perspektiven für Kinder und Familien in Paraguay zu schaffen.

Über die Einladung, im nächsten Jahr wiederzukommen, haben wir uns sehr gefreut.

Die Anlage des SOS-Kinderdorfes in San Ignacio bietet viele Spielflächen für Kinder und Jugendliche, die im Kinderdorf leben oder zu Besuch kommen. Copyright SOS-Kinderdörfer Paraguay

Die Anlage des SOS-Kinderdorfes in San Ignacio bietet viele Spielflächen für Kinder und Jugendliche, die im Kinderdorf leben oder zu Besuch kommen. Copyright SOS-Kinderdörfer Paraguay

Wenn auch Sie die Arbeit der SOS-Kinderdörfer in Paraguay unterstützen möchten, können Sie dies über die Spendenaktionsseite von SOS-Kinderdörfer weltweit tun – als Patin, Pate oder mit einer Einmalspende über SOS-Kinderdörfer Deutschland.

Über Paraguay

Paraguay ist ein Binnenstaat zwischen Bolivien, Brasilien und Argentinien – eines der am dünnsten besiedelten Länder Lateinamerikas. Von den rund sieben Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern leben etwa drei Millionen in oder nahe der Hauptstadt Asunción.

Das Land vereint spanische und indigene Wurzeln: Neben Spanisch sprechen rund 80 Prozent der Bevölkerung Guarani – eine Sprache, die Identität und Zusammenhalt ausdrückt.

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