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Alles über Pflegezusatzversicherungen – Ist eine private Pflegeversicherung sinnvoll?

Ob ambulant zuhause oder im Pflegeheim – Pflege ist teuer geworden, und die gesetzliche Pflegeversicherung reicht meist nicht aus, um die Kosten zu decken. Viele gesetzlich Versicherte denken daher über eine weitere Absicherung in Form einer Pflegezusatzversicherung nach. Dann stellt sich schnell die Frage: Welche Arten der privaten Pflegeversicherung gibt es überhaupt, und für wen lohnt sich das?

Alles über Pflegezusatzversicherungen – Ist eine private Pflegeversicherung sinnvoll?

Aus Angst vor Pflegebedürftigkeit im Alter wünschen sich viele Menschen eine zusätzliche Absicherung durch eine private Pflegeversicherung. Die Pflegekosten sind hoch und werden durch die gesetzliche Pflegeversicherung nur teilweise übernommen, sodass man selbst oder im schlimmsten Fall sogar die eigenen Angehörigen tief in die Tasche greifen müssen.

Wer auf einen Platz im Pflegeheim oder einen ambulanten Pflegedienst für zuhause angewiesen ist, hat schnell das Nachsehen. Denn zwischen den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung und den tatsächlichen Pflegekosten klafft meist eine große Lücke – und die muss dann von den eigenen Ersparnissen oder der Rente privat gezahlt werden. Wenn das nicht reicht, fordert das Amt das Geld unter Umständen sogar von den nächsten Angehörigen ein. Mit einer privaten Pflegezusatzversicherung sichert man also nicht nur sich selbst ab, sondern auch seine Familie. Ab wann sich die Pflegeversicherung lohnt, ist allerdings schwer zu beantworten.

Welche Pflegegrade gibt es?

Früher gab es drei Pflegestufen, bis im Januar 2017 die Einteilung in fünf Pflegegrade eingeführt wurde. Die soziale Pflegeversicherung zahlt je nach Pflegegrad unterschiedlich hohe Leistungen, die die tatsächlich anfallenden Kosten allerdings nicht komplett abdecken, sondern nur unterstützen.

Der Pflegegrad wird durch einen Gutachter danach bestimmt, wie schwer die Beeinträchtigung ist und wieviel täglicher Pflegeaufwand benötigt wird. Wichtig ist, wie selbstständig die pflegebedürftige Person sich beispielsweise noch um Körperpflege, Ernährung und Mobilität kümmern kann. Pflegegrad 1 gilt zum Beispiel für Personen, die im Alltag nur leicht eingeschränkt sind und noch gut zuhause wohnen können. Wichtig sind in diesem Falle unterstützende Leistungen wie Pflegeberatung, Hilfsmittel und ein barrierefreier Umbau der Wohnung. Pflegegrad 5 erhalten Pflegebedürftige mit schwersten Beeinträchtigungen, die besonders intensive Pflege rund um die Uhr benötigen.

Wieviel zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung?

Die gesetzliche Pflegeversicherung zählt wie die Kranken- oder Arbeitslosenversicherung zu den vorgeschriebenen Pflichtversicherungen. Jeder, der krankenversichert ist, hat automatisch auch eine Pflegeversicherung.

Wie hoch die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung sind, hängt vom Pflegegrad und von der Art der Pflege ab. So viel monatliche Leistung zahlt die Pflegekasse für einen Platz im Pflegeheim bzw. für die professionelle ambulante Pflege zuhause:

  • Pflegegrad 1: 125 Euro
  • Pflegegrad 2: 770 Euro bzw. 689 Euro
  • Pflegegrad 3: 1.262 Euro bzw. 1.298 Euro
  • Pflegegrad 4: 1.775 Euro bzw. 1.612 Euro
  • Pflegegrad 5: 2.005 Euro bzw. 1.995 Euro

Das sieht auf den ersten Blick gar nicht so wenig aus, allerdings kostet ein Platz im Pflegeheim deutlich mehr. Dadurch entsteht eine geschätzte Pflege-Lücke von bis zu 2.300 Euro monatlich, die privat gezahlt werden muss. Und auch ohne vollstationäre Pflege wird es teuer, wenn ein ambulanter Pflegedienst benötigt wird. Hinzu kommt die notwendige Barrierefreiheit der eigenen Wohnung, wie beispielsweise durch den Einbau eines Treppenlifts oder den Umbau der Badezimmer, durch die hohe Kosten von einigen Tausend Euro anfallen.1

Für die private Pflege durch Angehörige oder Freunde zahlt die Pflegekasse ein monatliches Pflegegeld. Die Höhe des Pflegegelds richtet sich ebenfalls nach dem Pflegegrad. Erst ab Pflegegrad 2 hat man allerdings überhaupt Anspruch auf Pflegegeld. Das Geld soll sowohl Pflegebedürftige als auch pflegende Angehörige unterstützen.

Welche Pflegezusatzversicherungen gibt es?

Im Bereich der privaten Pflegezusatzversicherungen gibt es drei verschiedene Versicherungsarten zur Auswahl:

  • Pflegetagegeldversicherung
  • Pflegekostenversicherung
  • Pflegerentenversicherung

Besonders beliebt ist die Pflegetagegeldversicherung, auch Pflege-Bahr. Der Versicherte legt einen bestimmten Tagessatz fest, der im Falle der Pflegebedürftigkeit ausgezahlt wird. Die Pflegetagegeldversicherung ist meist verhältnismäßig günstig und flexibel. Pflege-Bahr sind Pflegezusatzversicherungen mit staatlicher Förderung. Dabei erhält man einen staatlichen Zuschuss, außerdem kann trotz Vorerkrankungen niemand abgelehnt werden. Die Pflege-Bahr kann jeder über 18 Jahre abschließen, der noch keine Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung erhalten hat. Ein Nachteil der Pflege-Bahr-Tarife mit staatlicher Förderung sind aber die oft ungünstigeren Vertragsbedingungen. Außerdem reicht das Pflegetagegeld meist nicht aus, um anfallende Pflegekosten zu decken. Einige Pflegekassen bieten neben Pflegetagegeld-Tarifen auch Pflegemonatsgeld an.

Die Pflegerentenversicherung zahlt im Pflegefall eine lebenslange monatliche Pflegerente, die vorab festgelegt werden kann. Ein Teil der Leistungen ist garantiert, der Rest hängt von der Entwicklung von erwirtschafteten Überschüssen, Zinsen und Kapitalanlagen der Pflegekasse ab. Die Versicherung kann außerdem auch wieder gekündigt werden, sodass man zumindest einen Teil des Geldes zurückerhält.

Bei der Pflegekostenversicherung wird bei Pflegebedürftigkeit ein bestimmter Anteil der tatsächlich anfallenden Kosten übernommen. Im Gegensatz zu den anderen beiden Varianten ist das Geld also nicht frei verfügbar, sondern an die Pflegeleistung gebunden. Wenn sich die Kosten für Pflege in Zukunft also weiter erhöhen, erhält man auch mehr Leistungen. Aber: Gleichzeitig ist auch eine Erhöhung der Beiträge für Versicherte wahrscheinlich.

Ab wann lohnt sich eine private Pflegeversicherung?

Für den richtigen Zeitpunkt für eine Pflegezusatzversicherung gibt es leider keine pauschale Empfehlung. Je früher man anfängt, desto geringer sind die Beiträge. Gleichzeitig ist der finanzielle Bedarf im Alter für jüngere Menschen aber umso schwerer einzuschätzen. Außerdem bindet man sich mit der Pflegeversicherung ein Leben lang, und die Beiträge können in Zukunft noch steigen.

Oft macht es Sinn, sich erst einmal Gedanken über die eigene Altersvorsorge und die Absicherung durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu machen, bevor man sich mit dem Thema Pflege befasst. Je besser man sich mit den eigenen finanziellen Aussichten für die Zukunft auskennt, desto besser kann man die Entscheidung für oder gegen eine Pflegeversicherung treffen.

Wer braucht eine private Pflegeversicherung?

Um für sich selbst zu beantworten, ob eine private Pflegezusatzversicherung sinnvoll ist, sollte man sich darüber Gedanken machen, wie hoch der Bedarf in der Zukunft aussehen könnte. Dabei spielt zum Beispiel eine Rolle, welche Form der Betreuung man bevorzugt. Außerdem ist es wichtig, die eigene finanzielle Situation möglichst gut einzuschätzen, also beispielsweise die Höhe der Rente und das verfügbare Vermögen zu berechnen. Gibt es darüber hinaus noch zusätzliche Mieteinnahmen durch Immobilien? Gibt es Angehörige, die einen im Alter finanziell oder sogar durch eigene Pflege unterstützen würden?

Hat man schon durch andere Anlagen für eine gute Altersvorsorge gesorgt oder sind genügend Vermögenswerte vorhanden, kann man den Eigenanteil der Pflegekosten gegebenenfalls selbst tragen und benötigt keine private Pflegeversicherung. Geht man davon aus, die Eigenanteile nicht durch die eigene Rente und sonstige Vermögenswerte decken zu können, sollte man über eine Pflegezusatzversicherung nachdenken und privat vorsorgen. Sinnvoll ist das vor allem dann, wenn man auch im Alter gerne selbstständig leben und eigene Entscheidungen über die Art der Pflege und den eigenen Lebensstandard treffen möchte. Auch die Absicherung der Angehörigen ist ein häufiger Grund, eine private Pflegeversicherung abzuschließen.

Was kostet die private Pflegeversicherung?

Wie hoch die monatlichen Beiträge der Pflegeversicherung sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Grundsätzlich gilt: Je jünger und gesünder der Versicherungsnehmer ist, desto niedriger die Beiträge. Und je mehr Leistungen in der Versicherung enthalten sind, desto höher.

Die Beiträge und Leistungen der verschiedenen Pflegeversicherungen fallen dabei sehr unterschiedlich aus. Um eine Pflegezusatzversicherung mit möglichst gutem Preis-Leistungs-Verhältnis zu finden, lohnt sich ein Vergleich mit kompetenter Unterstützung auf jeden Fall!

Fazit: Ist die private Pflegeversicherung sinnvoll oder nicht?

Ob sich die private Pflegeversicherung letzten Endes auszahlt, ist ungewiss – denn niemand kann wissen, was die Zukunft bringt. Wer kein ausreichendes Privatvermögen und hohe private oder gesetzliche Renten erwartet, sollte sich zumindest einmal Gedanken über die Absicherung im Pflegefall machen, insbesondere um Angehörige zu schützen.

Welche Pflegeversicherung sinnvoll ist, muss man anhand seiner persönlichen Situation entscheiden – je nachdem, was genau man absichern möchte und wie viel Geld man aktuell und in Zukunft voraussichtlich zur Verfügung hat.

Experten raten zu einer Pflegeversicherung, bei der man im Pflegefall keine Beiträge mehr zahlen muss. Außerdem sollte man sich unbedingt darüber Gedanken machen, ob man die Beiträge des gewählten Tarifs auch in Zukunft noch leisten kann, vor allem wenn diese weiter steigen. Bei einer Pflegeversicherung mit Dynamik erhöhen sich die Beiträge und Leistungen ohne erneute Gesundheitsprüfung alle paar Jahre und passen sich so an steigende Kosten und Inflation an. Wichtig ist auch, welche Vorstellung man selbst von der eigenen Betreuung hat. Möchte man so lange wie möglich zuhause versorgt werden, sollte man einen Tarif wählen, der den Schwerpunkt auf die ambulante Pflege legt.

Die individuell passende Entscheidung in puncto Pflegeversicherung zu treffen, ist also alles andere als leicht. Umso sinnvoller ist es, sich bei diesem Thema professionelle Hilfe vom Finanzexperten zu holen. 

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