Die Sache mit den Langohren
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Köln, 14. April 2026. Einige Wochen vor unserer Osteraktion saß ich gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern des Oranienhofs bei einer Tasse Kaffee zusammen.
Das OVB Hilfswerk begleitet die Einrichtung bereits seit Jahren und sorgt jedes Ostern für eine kleine Freude bei den Bewohnerinnen und Bewohnern. Viele von ihnen haben keine Angehörigen mehr oder nur wenig Kontakt zur Familie. Umso größer ist die Freude über die liebevoll gepackten Ostertüten, auf die sich jedes Jahr viele schon lange im Voraus freuen.
Zuhören macht den Unterschied
Wir hielten ein wenig Smalltalk, sprachen über den Alltag, über frühere Osterfeste und darüber, welche kleinen Dinge Freude bereiten können. Dabei ging es nicht um große Wünsche oder teure Geschenke. Vielmehr waren es die kleinen Dinge, die den Menschen wichtig waren.
Eine Bewohnerin erzählte von einer früheren Aktion eines anderen Unternehmens, bei der Shirts verteilt wurden. Eigentlich eine nette Geste. Doch auf den Shirts war groß der Name des Unternehmens aufgedruckt.
»Das hat sich angefühlt, als würde man die Reste von der Laderampe bekommen«, meinte Roland.
»Genau. Bitte keine Werbegeschenke.«, ergänzte Rainer.
Und ehrlich gesagt: Genau das hätte ich wahrscheinlich auch gedacht. Ich bin mir sicher, dass die Aktion damals gut gemeint war und niemand die Absicht hatte, jemanden vor den Kopf zu stoßen.
Trotzdem kann ich das Gefühl gut nachvollziehen. Für mich macht nicht das Geschenk selbst den Unterschied, sondern ob man sich wirklich Gedanken über die Bedürfnisse der Menschen gemacht hat. Denn nicht immer hat das Schenken von Dingen, die übrig geblieben sind oder gerade noch herumliegen, den gewünschten Effekt.
Gerade in meiner Rolle als Feel Good Manager sind Feedback und Partizipation zwei der wichtigsten Grundpfeiler meiner Arbeit. Daher war es mir persönlich sehr wichtig, dass wir nicht einfach etwas verteilen, sondern zunächst zuhören, um herauszufinden, was den Bewohnerinnen und Bewohnern tatsächlich Freude bereitet.
Was wird wirklich gebraucht? Worüber freut man sich? Was würde den Alltag ein kleines Stück schöner machen?
So entstand nach und nach eine Wunschliste.
Eine gemischte Tüte mit Süßigkeiten, eine Köln Cap, Pflegeprodukte für den Alltag und andere kleine persönliche Wünsche landeten darauf. Nichts Spektakuläres.
Aber genau diese Dinge waren den Bewohnerinnen und Bewohnern wichtig. Und man merkte schnell, wie die Vorfreude auf die Ostertüten während des Gesprächs immer größer wurde.
Nach den Gesprächen hatten wir ein klares Bild davon, worüber sich die Bewohnerinnen und Bewohner tatsächlich freuen würden. Mit einer vollgepackten Liste voller Wünsche und Ideen in der Tasche machte ich mich schließlich auf den Rückweg.
Geht nicht? Gibt's nicht!
Am folgenden Tag machten wir uns daran, den Inhalt der Ostertüten festzulegen. Anschließend kümmerte ich mich um die Bestellungen. Viele der gewünschten Inhalte konnten wir direkt organisieren. Nur bei einem Wunsch wurde es etwas schwieriger: den Köln Caps.
Die waren über unser Bestellportal leider nicht verfügbar. Und die Zeit wurde langsam knapp. In der nächsten Woche sollte bereits die Packaktion starten.
Aber ein Nein heißt für mich meistens nur: nächste Option. Wer könnte wohl Köln Caps in ausreichender Stückzahl anbieten?
Köln selbst! Also habe ich kurzerhand bei KölnTourismus angerufen. Dort erreichte ich eine ausgesprochen nette Mitarbeiterin. Nachdem ich ihr die Geschichte kurz geschildert hatte, war sie sofort genauso begeistert wie wir und machte sich direkt daran, eine Lösung zu finden. Bereits zwei Tage später hatte ich eine positive Rückmeldung in meinem E-Mail Postfach.
Und am Ende war es sogar die bessere Lösung. Die Köln Caps, die wir über KölnTourismus bekommen konnten, waren nicht nur verfügbar, sondern auch deutlich hochwertiger und schöner als die Variante, die wir ursprünglich über unser Bestellportal im Blick hatten.
Manchmal können Dinge so einfach sein. Und manchmal führt ein kleiner Umweg sogar zum besseren Ergebnis.
In den folgenden Tagen trudelten die Materialien nach und nach ein und wir konnten uns entspannt zurücklehnen.
Helping Hands für den guten Zweck
Und damit begann der Teil, den viele Kolleginnen und Kollegen hier bei OVB inzwischen fest mit Ostern verbinden.
Denn die Aktion wird mittlerweile seit mehreren Jahren von zahlreichen Helferinnen und Helfern begleitet. Einige sind von Anfang an dabei, andere stoßen jedes Jahr neu dazu.
Tatsächlich waren einige so motiviert, dass ich sie sogar etwas ausbremsen musste. Manche kamen aufgrund anderer Termine später dazu. Und für sie wollten wir ja schließlich auch noch etwas übriglassen.
Und wie so oft bei solchen Aktionen kam irgendwann der Moment, in dem alles wie von selbst lief. Jeder wusste, was zu tun war.
Hier wurde gepackt, dort dekoriert, an anderer Stelle wurden Osterkarten geschrieben. Die Arbeit ging leicht von der Hand und die Zahl der fertigen Ostertüten wuchs mit jeder Minute.
Angekommen, ausgepackt, gefreut
Am Ende entstanden rund 65 liebevoll gestaltete Ostertüten für die Bewohnerinnen und Bewohner des Oranienhofs, die wir entspannt vor den Ostertagen zur Einrichtung brachten.
Und dann kam der schönste Teil: die Reaktion der Bewohnerinnen und Bewohner.
Die Spannung beim Auspacken. Die erste Köln Cap, die direkt aufgesetzt wurde. Die Schokohasen, die nicht lange warten mussten. Und viele kleine Momente, in denen sichtbar wurde, dass die Ostertüten genau dort angekommen sind, wo sie Freude machen sollten.
Doch die eigentliche Geschichte handelt nicht von Schokoladenhasen, Pflegeprodukten oder Osterkarten.
Sie handelt von Aufmerksamkeit. Davon, dass Menschen zuhören.
Und davon, dass aus einer schönen Idee über die Jahre eine kleine Tradition geworden ist, in der sich Menschen Zeit für andere nehmen.








