»Die kleine Welt vom Geld« Wenn finanzielle Bildung für Kinder zum Abenteuer wird

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Prämiere für das OVB Hilfswerk. Wir waren bei der Global Money Week Germany erstmalig dabei.Prämiere für das OVB Hilfswerk. Wir waren bei der Global Money Week Germany erstmalig dabei.

Köln, 5. Juni 2026. Finanzielle Bildung. Jeder braucht sie. Kaum jemand spricht darüber.

Ein Thema, das jeden betrifft und trotzdem oft erst dann auf dem Schirm hat, wenn Probleme entstehen.

Der bewusste Umgang mit Geld, Konsum und finanzieller Verantwortung gewinnt gesellschaftlich immer mehr an Bedeutung, da internationale Studien zeigen, dass viele Kinder und Jugendliche nur unzureichend auf finanzielle Entscheidungen im Alltag vorbereitet werden. Laut OECD verfügt fast jeder fünfte Jugendliche in den OECD Ländern nicht über grundlegende Finanzkenntnisse.

Ein Umstand, der zeigt, wie wichtig es ist, Kinder und Jugendliche frühzeitig an diese Themen heranzuführen.

Dabei beginnt der Umgang mit Geld nicht erst mit dem ersten Gehalt oder dem ersten eigenen Konto. Er beginnt deutlich früher. Mit den ersten Wünschen, den ersten Kaufentscheidungen und den ersten Erfahrungen, Verantwortung zu übernehmen.

Hier setzt finanzielle Bildung an. Sie schafft Orientierung, vermittelt Wissen und hilft dabei, schon in jungen Jahren ein gesundes Verhältnis zu Geld zu entwickeln.

Alles schön und gut. Aber wie schafft man es, Kindern Themen wie Geld, Konsum und Verantwortung so zu vermitteln, dass sie Spaß machen und im Gedächtnis bleiben?

Eine Woche. Ein Ziel.

Dieser Frage wollten wir während der Global Money Week nachgehen.

Die Global Money Week fand dieses Jahr vom 16.03.26 - 22.03.26 statt

Die Global Money Week fand dieses Jahr vom 16.03.26 - 22.03.26 statt

Global Money Week? Noch nie davon gehört?

Die Global Money Week ist eine internationale Aktionswoche, bei der weltweit Schulen, Organisationen und Unternehmen zusammenkommen, um Kinder und Jugendliche frühzeitig für Themen wie Geld, Konsum, Sparen und finanzielle Verantwortung zu sensibilisieren.

Andere Landesgesellschaften der OVB beteiligen sich bereits seit vielen Jahren erfolgreich an dieser Aktionswoche und können auf beeindruckende Projekte und Erfahrungen zurückblicken.

In diesem Jahr nahm nun auch das OVB Hilfswerk erstmals an der Global Money Week teil.

Die Förderung finanzieller Bildung ist für OVB ein wichtiger Bestandteil der unternehmerischen Verantwortung. Gleichzeitig unterstützt das OVB Hilfswerk seit Jahrzehnten Kinder und Familien in herausfordernden Lebenssituationen.

Der perfekte Startpunkt

Deshalb sollte unsere erste Teilnahme mehr sein als eine einzelne Aktion. Sie sollte ein Projekt werden, das bleibt. Ein ehrlicher, lebensnaher und greifbarer Einstieg in das Thema finanzielle Bildung. Denn wenn man Kindern finanzielle Bildung wirklich näherbringen möchte, dann dort, wo sie im Alltag den größten Unterschied machen kann.

So fiel die Entscheidung auf den AWO Sommerberg. Eine Einrichtung, die das OVB Hilfswerk bereits seit 10 Jahren durch unterschiedliche Projekte begleitet und unterstützt. Über die Jahre sind dabei nicht nur gemeinsame Aktionen entstanden, sondern auch echte Verbindungen.

Wir kennen die Kinder, ihre Geschichten und die Herausforderungen, denen sie im Alltag begegnen. Viele von ihnen wachsen in schwierigen Lebenssituationen auf und hatten bisher nur wenige oder sogar gar keine Berührungspunkte mit Themen wie Taschengeld, Sparen oder finanziellen Entscheidungen.

Also sollte Finanzielle Bildung hier nicht theoretisch vermittelt werden. Sie musste erlebbar werden.

Und wie vermittelt man Kindern schwierige Themen am besten? Natürlich spielerisch. Mit Neugier, Bewegung und jeder Menge Spaß.

»Die kleine Welt vom Geld«

Dafür wurde von mir das Spiel »Die kleine Welt vom Geld« entwickelt. Die Kinder begegnen darin Situationen, die sie aus ihrem eigenen Alltag kennen. Eine ausgelaufene Trinkflasche im Schulranzen, jemandem bei den Hausaufgaben helfen oder unachtsam bei Rot über die Ampel gehen.

Ein Spielbrett, Spielgeld und viele kleine Entscheidungen. So wurde finanzielle Bildung für die Kinder Schritt für Schritt greifbar

Ein Spielbrett, Spielgeld und viele kleine Entscheidungen. So wurde finanzielle Bildung für die Kinder Schritt für Schritt greifbar

So entstehen spielerisch Momente, die zeigen, dass alltägliche Situationen positive, aber auch negative Folgen haben können.

Neben der finanziellen Bildung war es uns besonders wichtig, auch Werte wie Aufmerksamkeit, Hilfsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein zu vermitteln. Dafür gab es dann Wohlfühlpunkte, von denen sich Mitspielende mindestens drei pro Runde erspielen mussten. Die Kinder sollten Situationen nicht nur verstehen, sondern erleben und emotional mit ihnen in Verbindung treten können.

Innerhalb von weniger als drei Monaten entstand so aus der Idee ein fertiges Lernspiel.

Die Entwicklung des Spiels hat mir persönlich unglaublich viel Freude bereitet. Von der ersten Idee über die Gestaltung der Karten bis hin zu den einzelnen Spielmechaniken war es ein kreativer Prozess, der mich selbst wachsen ließ.

Unser Spiel »Die kleine Welt vom Geld« verbindet finanzielle Bildung mit Werten wie Hilfsbereitschaft, Verantwortung und Aufmerksamkeit im Alltag

Unser Spiel »Die kleine Welt vom Geld« verbindet finanzielle Bildung mit Werten wie Hilfsbereitschaft, Verantwortung und Aufmerksamkeit im Alltag

Das Spiel war nun fertig.

Neuer Termin, vereinbart. Und gefühlt einen Wimpernschlag später war es schon so weit. Ich packte alles zusammen, was wir für den Nachmittag brauchten, und machte mich auf den Weg zum AWO Sommerberg.

Wiedersehen

Trotz aller Vorbereitung und Planung kamen auf der Fahrt dorthin immer wieder Zweifel auf.

Würde das Spiel funktionieren?

Könnten sich die Kinder wirklich auf das Thema einlassen?

Im AWO Sommerberg folgt der Tag einer klaren Struktur, die den Kindern Orientierung und Sicherheit gibt. Nach dem gemeinsamen Mittagessen folgen die Lernzeit mit Hausaufgaben und schulischer Unterstützung, anschließend Freizeit und Spielzeit, bevor der Tag mit einer gemeinsamen Abschlussrunde endet.

Doch so weit waren wir noch nicht. Erst einmal stand ein gemeinsames Mittagessen auf dem Programm. Und ehrlich gesagt: Hunger hatte ich mehr als genug mitgebracht.

An diesem Tag standen Kartoffelbrei, Erbsen und Möhren sowie Dino Chicken Nuggets auf dem Speiseplan. Es wurde erzählt, gelacht und diskutiert. Und schnell hatte man das Gefühl, angekommen zu sein.

Gemeinsame Mahlzeiten gehören zum festen Tagesablauf beim AWO Sommerberg und schaffen Raum für Austausch, Nähe und Gemeinschaft

Gemeinsame Mahlzeiten gehören zum festen Tagesablauf beim AWO Sommerberg und schaffen Raum für Austausch, Nähe und Gemeinschaft

Dabei wurde auch deutlich, dass »OVB Sveni«, wie mich die Kinder inzwischen nennen, längst kein unbekanntes Gesicht mehr war.

Erst die Arbeit ...

Nachdem der letzte Teller leer und der Tisch abgeräumt war, ging es zum nächsten Programmpunkt: Lernzeit. Die Begeisterung hielt sich zunächst in Grenzen. Schließlich warteten noch Hausaufgaben in Mathe, Deutsch und beim Lesen auf die Kinder.

Als die Gruppenleiterin Sonja jedoch erwähnte, dass ich mich heute zu jedem Kind für einige Minuten dazusetzen und unterstützen würde, änderte sich die Stimmung schlagartig. Plötzlich konnte es gar nicht schnell genug gehen.

Mir wurde erneut bewusst, wie wichtig Einrichtungen wie der AWO Sommerberg für die Kinder sind. Für mich war es in diesem Alter selbstverständlich, lesen und schreiben zu lernen. Viele der Kinder hier müssen dafür deutlich größere Hürden überwinden. Sei es durch gesundheitliche Herausforderungen oder durch schwierige Lebensumstände.

Lernen, zuhören, ermutigen. Manchmal reichen schon ein wenig Zeit und Aufmerksamkeit, um einen Unterschied zu machen.

Lernen, zuhören, ermutigen. Manchmal reichen schon ein wenig Zeit und Aufmerksamkeit, um einen Unterschied zu machen.

An diesem Tag waren sie jedoch hochmotiviert, besonders Mia hatte einen richtig guten Tag. Aufgabe für Aufgabe wurde gelöst und schon bald konnten wir zum eigentlichen Anlass meines Besuchs übergehen.

…dann das Vergnügen

Das Spiel »Die kleine Welt vom Geld«.

Die Kinder begannen damit, gemeinsam das Cover des Spiels zu gestalten. Vor allem Klara hatte da am meisten Freude. Mit bunten Stiften, viel Kreativität und jeder Menge Begeisterung entstand Schritt für Schritt ihre ganz persönliche Interpretation des Spielcovers.

Mit viel Kreativität gestaltet Klara das Cover des Spiels »Die kleine Welt vom Geld«

Mit viel Kreativität gestaltet Klara das Cover des Spiels »Die kleine Welt vom Geld«

Nun bauten wir das Spielfeld auf und dann ging es los. 

Die Regeln wurden schnell verstanden und mit großer Offenheit angenommen. Die Würfel rollten, Karten wurden vorgelesen, Geld ausgegeben, gespart und wieder eingenommen. Wohlfühlpunkte wurden gesammelt und mussten sich wieder verdient werden.

Besonders beeindruckend war, mit welcher Neugier die Kinder an das Thema herangegangen sind.

Cengis, ein Kind der Gruppe, zeigte dabei nicht nur ein gutes Gespür, sondern entpuppte sich als echtes Naturtalent im Umgang mit Geld und gewann auch am Ende die Spielrunde. Stark Cengis!

Mit viel Aufmerksamkeit, klugen Entscheidungen und einer Portion Talent gewann Cengis die Spielrunde von »Die kleine Welt vom Geld«

Mit viel Aufmerksamkeit, klugen Entscheidungen und einer Portion Talent gewann Cengis die Spielrunde von »Die kleine Welt vom Geld«

Doch an diesem Nachmittag ging es um weit mehr als nur ums Gewinnen.

Es ging darum, Kindern früh einen Zugang zu finanzieller Bildung zu ermöglichen. Spielerisch, lebensnah und ohne Druck. Zu erleben, wie viel Begeisterung entstehen kann, wenn Kinder ernst genommen und aktiv eingebunden werden.

Das Spiel war ein voller Erfolg und alle anfänglichen Zweifel waren wie weggeblasen.

Die Karten sind gespielt

In der Abschlussrunde reflektierten die Kinder gemeinsam den Tag. Für viele war das Spiel das Highlight des Nachmittags. Die Begeisterung war spürbar und die Stimmung entsprechend ausgelassen.

Bevor Lea, ein Kind der Gruppe, nach Hause fuhr, schenkte sie mir noch ein selbst gemaltes Bild mit der Aufschrift »OVB Sveni ❤️«.

OVB Sveni. Mehr braucht man glaube ich nicht sagen.

OVB Svenni. Mehr braucht man glaube ich nicht sagen.

Ach, in solchen Momenten werde ich immer sentimental.

Früher hab ich mich gefragt, warum sich meine Eltern so über die gemalten Bilder meiner Geschwister gefreut haben. Ein Blatt Papier, mit Gekritzel. WOW…

Tja. Mittlerweile reagiere ich genauso wie sie. Und dabei bin ich noch nicht mal ein Elternteil. 

Eigentlich sollten die Kinder an diesem Tag auch noch ihre Teilnahmeurkunden für die Global Money Week erhalten. Doch die Zeit war wie im Flug vergangen. Zwischen Mittagessen, Lernzeit, Spiel, Abschlussrunde und vielen schönen Gesprächen blieb dafür am Ende keine Gelegenheit mehr.

Also beschlossen wir, die Übergabe auf einen späteren Termin zu verschieben.

Wiedersehen macht Freude

Vier Wochen vergingen, bevor ich die Kinder wiedersehen sollte.

Für die Übergabe der Urkunden machte ich mich erneut auf den Weg zum AWO Sommerberg. Diesmal voller Vorfreude und ohne die Zweifel, die mich beim ersten Besuch begleitet hatten.

Wieder begann der Tag mit einem gemeinsamen Mittagessen. Diesmal standen Nudeln, Brokkoli und Hähnchen auf dem Speiseplan.

Während der anschließenden Lernzeit fiel mir auf, wie selbstständig die Kinder inzwischen arbeiteten. Klara. ein Kind der Gruppe, hatte sich eigenständig an den Computer gesetzt und ein Suchsel ausgedruckt. 

Eine Kleinigkeit vielleicht, aber eine, die mich beeindruckt hat. Ich konnte den PC in ihrem Alter nicht bedienen.

Nach der Lernzeit ging es bei schönstem Wetter anschließend nach draußen. Die Kinder planschten im aufgebauten Becken, lachten und spielten, während wir Erwachsenen bei Kaffee und Kuchen zusammensaßen.

Natürlich durfte auch der eigentliche Anlass meines Besuchs nicht fehlen. Die Übergabe der Urkunden für die Teilnahme an der Global Money Week.

Finanzchampion

Jedes Kind erhielt seine persönliche Urkunde im Bilderrahmen und war ab sofort offiziell »Finanzchampion«.

Stolz. Alle Augen. Voll davon.

Ursprünglich wollten einige ihre Urkunde in der Einrichtung lassen. Doch je länger sie diese in den Händen hielten, desto mehr änderte sich ihre Meinung.

Am Ende stand fest: Die Urkunde kommt mit nach Hause.

»Die zeige ich meiner Oma.« , sagte Lea begeistert. »Ja, ich auch!«, stimmte Klara sofort zu.

Und genau darum ging es am Ende.

Nicht um ein Stück Papier. Sondern um das Gefühl, etwas geschafft zu haben und stolz darauf sein zu dürfen.

Stolz auf die eigene Leistung: Die Urkunden der GMW wurden schnell zu etwas, das die Kinder ihren Familien zeigen wollten

Stolz auf die eigene Leistung: Die Urkunden der GMW wurden schnell zu etwas, das die Kinder ihren Familien zeigen wollten

Doch die größte Überraschung sollte an diesem Tag erst noch folgen.

Denn der Kuchen auf dem Tisch war nicht einfach nur Kuchen. 

Die Story dahinter bereitet mir beim Schreiben immer noch Gänsehaut.

Er war der Beweis dafür, dass die Inhalte des Spiels und die vermittelten Werte bei den Kindern angekommen waren!

15 Smileys

Im AWO Sommerberg setzen sich die Kinder persönliche Ziele. Ziele für das Lernen, aber auch Ziele für ihr Verhalten und das soziale Miteinander. Für erreichte Ziele erhalten sie Smileys, die sie über einen längeren Zeitraum sammeln können.

Diese Smileys können später gegen Belohnungen eingetauscht werden. Ein Eis essen, einen Ausflug machen oder einen Kuchen backen.

Was zunächst einfach klingt, ist für viele Kinder eine echte Herausforderung. Aufgrund ihrer individuellen Lebenssituationen, gesundheitlichen Einschränkungen oder sozialer Umstände gelingt es häufig nur, einen Smiley pro Tag zu erreichen.

Umso bemerkenswerter war die Entscheidung von Lea.

Sie hatte sich für das Backen eines Kuchens entschieden. Eine Belohnung, für die über einen langen Zeitraum Smileys gesammelt werden müssen.

Doch der Kuchen war nicht für sie selbst bestimmt.

Er war für mich.

Liebevoll verziert, mit meinem Namen versehen und finanziert durch Smileys, die Lea über viele Wochen hinweg mit Fleiß, Geduld und Disziplin angespart hatte.

Wochenlang gespart. Liebevoll gestaltet. Nicht für sich selbst, sondern für jemand anderen. Dieser Kuchen erzählt eine ganz besondere Geschichte.

Wochenlang gespart. Liebevoll gestaltet. Nicht für sich selbst, sondern für jemand anderen. Dieser Kuchen erzählt eine ganz besondere Geschichte.

Ist das nicht wunderbar?

Ein Kind, das sich jede Belohnung hart erarbeiten muss, verzichtet über Wochen auf etwas für sich selbst, um einem anderen Menschen eine Freude zu machen.

Kinder können vieles. Auf etwas zu verzichten, gehört meistens nicht dazu.

Ich war sprachlos. Wegen des Kuchens. Und wegen der Botschaft dahinter.

Ein wunderschöner Abschluss für ein Projekt, das mit einer Idee begann und weit mehr bewirkt hat, als ich es mir zu Beginn hätte vorstellen können.

Kreativität, Lernen und ein bisschen Stolz: Das selbst gestaltete Spielecover und die Urkunde von Nina haben ihren festen Platz gefunden.

Kreativität, Lernen und ein bisschen Stolz: Das selbst gestaltete Spielecover und die Urkunde von Nina haben ihren festen Platz gefunden.

Für mich war das die vielleicht wichtigste Erkenntnis dieser Global Money Week.

Kinder brauchen nicht perfekte Voraussetzungen.
Kinder brauchen Chancen.
Kinder brauchen Menschen, die an sie glauben. 

Und manchmal braucht es gar nicht viel, um etwas zu bewegen.

Zeit. Aufmerksamkeit. Zuhören.

Hinweis: Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte der Kinder wurden alle in diesem Beitrag genannten Namen geändert und durch fiktive Vornamen ersetzt.